
SARANNO I FRAGILI A SALVARE IL MONDO | Carla Lorenz, Nanar Vorperian, Ara und Suren Vorperian-Smith, Daniel Turcheschi
SARANNO I FRAGILI A SALVARE IL MONDO | Carla Lorenz, Nanar Vorperian, Ara und Suren Vorperian-Smith, Daniel Turcheschi
18. November 2026 | 19:00
Freier Eintritt nach Anmeldung: events.rom-kf@bmeia.gv.at
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Carla Lorenz wie Nanar Vorperian betrachten die Welt mit den Augen jener, die die Seite der “Schwachen” als die ihre wählten.
Und darin stark sind.
“Es werden die Schwachen sein, die die Welt retten werden”, so sagte Don Marco Belleri.
Auszüge aus dem Text “STARKE LÄMMER”von Carla Lorenz, sowie Gedichte und der Kurzfilm “SHADOWBOY” (animierte Bilder und Texte des gleichnamigen Kinderbuchs mit Zeichnungen von Jono Nussbaum) der armenischen Dichterin und Musikerin Nanar Vorperian, sowie armenische, selbstkomponierte und andere Musik von Nanar Vorperian (Gesang), Ara & Suren Vorperian (Piano & Gitarre), Daniel Turcheschi (Schlagzeug).
Carla Lorenz, 2001 in Wien geboren, ist Autorin von Lyrik, Prosa und Hörstücken.
Sie besuchte das Kolleg für Multimedia an der Graphischen Wien und studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Ihr Debüt erscheint im kommenden Jahr beim Verlag Matthes&Seitz, Berlin.
Nanar Vorperian, eine armenische Poetin, Sängerin und Komponistin, ist geboren in Addis Abbeba, Äthiopien, und später wohnhaft in London.
Sie studierte Theater und Gesang. Früh trat sie in zahlreichen Konstellationen auf – und unterrichtet Schauspiel, Medien, englische Sprache und Literatur.
Ara und Suren Vorperian-Smith wurden 2011 in Camden, London, geboren. Als Autodidakten brachten sie sich selbst das Lesen sowie das Spielen ihrer Hauptinstrumente – Klavier und Gitarre – bei.
Im Sommer 2026 waren sie die jüngsten Teilnehmer ihrer Gruppe, die für das Sommerprogramm der Berklee College of Music/Umbria Jazz Clinic für Klavier in Perugia 2026 angenommen wurden.
Daniel Turcheschi, 1999 in Siena geboren, entdeckt bereits in jungen Jahren seine Leidenschaft für die Musik – insbesondere für das Schlagzeug –, die er von seinem Vater geerbt hat. So beginnt er, sich intensiv mit Musik zu beschäftigen und Schlagzeug zu lernen.
Derzeit studiert er an der Siena Jazz University und tritt in verschiedenen Besetzungen auf – sowohl als Solist als auch in großen Bands. Dabei entwickelt und verfolgt er kontinuierlich seine eigene musikalische Vision und seinen persönlichen Ansatz zum Instrument.
Praktische Infos
Freier Eintritt nach vorheriger Anmeldung, solange Plätze verfügbar sind: events.rom-kf@bmeia.gv.at
Interview Carla Lorenz
In starke Lämmer treffen Prosa und Lyrik aufeinander, Alltägliches und sehr poetische Bilder. Wie findest du die Form, in der eine Geschichte erzählt werden muss – und wann weißt du: Genau so muss dieser Satz stehen?
Die Form ist für mich das Wesentliche. Ich weiß: gäbe es diese Form nicht, gäbe es diesen Text nicht. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass die „Geschichte“ der Form entspricht, also durch die Form durchscheint.
Die Weise, wie der Text lautet – sich zusammensetzt wäre mir zu technisch, ich betrachte Text als etwas Lebendiges –, ist eben eine Mischung. Auch aus zwei sich vermeintlich widersprechenden Haltungen: Kalkül und Unbewusstsein. Für mich gilt: Jeder Satz muss mit Freude ahnen, warum er so steht, wie er steht.
„Da ist ein Zaun!“ – ein Satz, der in deinem Text immer wiederkehrt. Wenn du beim Schreiben selbst vor einem Zaun stehst: Was machst du – drüber, drumherum oder einfach weiter?
Ich glaube schon an Zäune, aber was ist ein Zaun, wenn man ihn von Nahem anschaut. Es ist beides ein Genuss: Sich nähern, mit den Dingen verschmelzen, sie sich einverleiben. Oder auf Abstand gehen und sie benennen. Aus der Ferne ist es für mich einfacher, den Dingen Namen zu geben.
„Da ist ein Zaun!“ ist ein Satz, der aus einiger Entfernung zum Zaun fällt. Ich würde den so nicht sagen, käme ich ihm wirklich nahe. Beides soll möglich sein im Text. Wenn ich also vor einem Zaun stehe, will ich das entweder als Anlass sehen, ihn zu benennen. Oder näher kommen und das, was ich gerade noch sagte und sah, verschwinden sehen.
Was bedeutet es für dich, beim Schreiben eine Form zu suchen – und sie gleichzeitig wieder infrage zu stellen? Deine Instagram-Bio lautet „Klettern ist auch nur Bouldern“. Magst du Sätze, die sich erst einmal wie eine Feststellung anhören und bei näherem Hinsehen ins Wanken geraten?
Die ehrliche Antwort ist, ich mag einfach gerne Sätze. Einzelne Sätze haben für mich eine große Magie. Über Klettern und Bouldern habe ich weiter nichts zu erzählen, aber ich habe zumindest diesen Satz.
Das Ich in starke Lämmer ist gleichzeitig Beobachterin und Betroffene. Wie verhält sich diese doppelte Perspektive zueinander?
Es ist ein Ringen. In großen Worten könnte man sagen: Das Ich möchte andauernd die Zeit anhalten. Wie soll das sonst funktionieren mit dem Beobachten und zugleich Betroffen sein. Das Ich versucht, sich gegen die Zeit aufzulehnen, man könnte sagen, es verhält sich recht rabiat gegenüber der Zeit. Es will das ordentliche Nacheinander nicht annehmen oder zumindest nicht glauben. Es liegt vielleicht eine Traurigkeit in so einem aussichtslosen Versuch, aber es ist ein Versuch, und das zählt. Sonst würde ja nichts dastehen!
Du hast über deine Lesungen gesagt: „Ich liebe meine Zuhörer:innen, weil sie mir zuhören. Darum mache ich ihnen eine gute Zeit.“ Was möchtest du, dass das Publikum nach einer Lesung von starke Lämmer mitnimmt – einen Gedanken, ein Bild oder vielleicht einfach ein Gefühl?
Ich selbst schulde dem Text beim Vorlesen meine volle Konzentration und Aufmerksamkeit. Was dann weiter im Raum passiert, nehme ich, wie es kommt. Aber es ist ja möglich: ein abseitiges und unerwartetes Bild wirkt, auch ohne Vorbereitung, auf andere Menschen ein. Allein im Moment der Lesung. Das muss dann auch nicht zwingend mitgenommen werden. Es reicht schon während des Zuhörens. Dass sich der Text, nachdem er vor dem – jetzt haben wir ihn wieder – Zaun des Verstandes angekommen ist, zusammenzieht und auf der anderen Seite in neuer Form hervorkommt. So stelle ich mir das vor.
Das Gespräch führte Maximilian Molzer