
BEHIND | Monica Giovinazzi
BEHIND | Monica Giovinazzi
23. Oktober 2026 | 19:00
Eintritt frei
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BEHIND ist die neue Ausstellung von Monica Giovinazzi, einer in Rom geborenen und in Wien heimisch gewordenen Performerin und bildenden Künstlerin. Die von Barbara Pavan kuratierte Ausstellung ist eine Erkundung von Materialität, Schwellen, Kindheit und kulturellen Übergängen.
In diesem Interview sprechen die Künstlerin und die Kuratorin über die Ausstellung.
Monica Giovinazzi: Ich bin Performerin und bildende Künstlerin. Ich arbeite überwiegend mit wiederverwendeten Materialien, weil es mich interessiert, bereits Vorhandenem neues Leben einzuhauchen. Ich glaube, dass sich auf diese Weise Werte und Ideen rund um das Thema Metamorphose besonders gut vermitteln lassen. Keiner von uns ist ein in sich geschlossener, fertiger Körper. Wir bestehen vielmehr aus dem, was wir hinter uns lassen: Spuren, Blicke, vergangene Handlungen und dem, was noch kommen wird.
Wie ist das Projekt „Behind“ entstanden?
Monica Giovinazzi: Behind entstand aus Gedanken über die „Kleinen“, also über Kinder. Ich bin überzeugt, dass es auch zu den Aufgaben einer Künstlerin oder eines Künstlers gehört, die Jüngsten zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, kritisches Denken und eine eigene Sicht auf die Welt zu entwickeln. Ursprünglich entstand das Projekt als Idee für ein Kinderbuch zum Thema Tod – verstanden nicht als Ende, sondern als Metamorphose, als Veränderung der Form und als Übergang.
Wie nähert man sich der Ausstellung am besten, und wie wurde der Ausstellungsraum konzipiert?
Monica Giovinazzi: Ich bin überzeugt, dass die performative Handlung entscheidend ist, um dem Publikum einen Zugang zu ermöglichen. Ich mag es, wenn die Menschen die Werke berühren und in die Hand nehmen können, statt Kunst als etwas Entferntes und Unnahbares zu erleben.
Ich hoffe immer, dass auch Kinder in den Ausstellungsraum kommen. Sie haben einen neuen, unvoreingenommenen und unglaublich kreativen Blick. Für mich als Künstlerin ist das eine wertvolle Rückmeldung, die mir neue Impulse und Emotionen schenkt, mit denen ich weiterarbeiten kann.
Kommen wir zum Material: altes Papier und Kunststoff. Wie entsteht dieser Dialog zwischen Zerbrechlichkeit und Pop-Ästhetik?
Monica Giovinazzi: Jedes Thema, mit dem wir uns beschäftigen, verlangt nach einem bestimmten Material. Das Material ist für mich ein Gegenüber, das mir etwas zurückgibt, das ich im Voraus noch nicht kenne. Für Behind suchte ich nach einem Gefühl großer Zerbrechlichkeit. So kamen die alten Papiere ins Spiel – Materialien, die einem manchmal zwischen den Fingern zerbröseln.
Diesen stellte ich Kunststoffe gegenüber, die eine spielerische, poppige und transparente Dimension vermitteln. Die Spannung zwischen der Zerbrechlichkeit des Papiers und der Präsenz des Kunststoffs wurde zum idealen Medium, um das Konzept der Schwelle und des Übergangs zu erzählen.
In deinen Arbeiten verwendest du fast immer Abfall- und Restmaterialien. Wie wählst du diese aus?
Monica Giovinazzi: Es kann niemals irgendein Material sein. Obwohl ich Ölfarbe und Malerei auf Holz liebe, brauchte ich in diesem Zusammenhang ein Material, das sich verändern und bearbeiten lässt und den Wandel auf den ersten Blick vermittelt. Betrachtet man die großen Formen, erkennt man sofort den aufblasbaren Schwimmreifen oder das zerrissene T-Shirt. Die Metamorphose sollte im Kunstwerk nicht einfach nur dargestellt werden: Das Werk selbst ist die Metamorphose.
Anfangs entwickelte sich die Formensprache auf Papier, denn damit konnte ich mit Positiv- und Negativdrucken experimentieren. Als ich mir die Arbeiten dreidimensional vorstellte, kamen Kunststoff und zerrissene Textilien hinzu. Ich wollte Bilder und Vorstellungen aus der Kindheit aufgreifen: Schwimmreifen und aufblasbare Wasserspielzeuge. Nicht ohne Grund lasse ich auf der Rückseite der größeren Konstruktionen stets die ursprünglichen Warnhinweise stehen: „Achtung: Von Kindern fernhalten.“
Kann man also sagen, dass die „Schwelle“ genau jener Punkt ist, an dem Körper, Material und Erinnerung beschließen, sich zu verwandeln?
Monica Giovinazzi: Die Schwelle ist immer da und wartet darauf, überschritten zu werden. Manchmal vollzieht man diesen Schritt sogar unbewusst, und gerade das ist eine enorme Inspirationsquelle. Metamorphose findet ständig statt: In jedem Augenblick verändern wir unsere Moleküle und tauschen sie mit den Menschen aus, die uns gegenüberstehen. Jenseits der Schwelle ist immer jemand anderes, und die Begegnung verändert beide Seiten. Was wir hinterlassen, ist unsere bleibende Spur. Genau das möchte ich den Kindern vermitteln: Wir müssen keine Angst vor Veränderung haben.
Du kommst aus dem Theater und der Performance. Welchen Einfluss haben Körper und Bewegung auf die Entstehung deiner bildnerischen Arbeiten?
Monica Giovinazzi: Einen sehr großen. Ich male und arbeite fast immer auf dem Boden, nur selten an einem Tisch. Wenn ich beispielsweise mit Eisen arbeite, ist mein ganzer Körper beteiligt: Ich biege und forme das Material mit den Füßen, den Knien und dem Gewicht meines Körpers. Auch Tätigkeiten wie Nähen oder Zerreißen verlangen mir immer wieder unterschiedliche Formen körperlichen Einsatzes ab.
Was verbindet eine Kuratorin mit der Arbeit einer Künstlerin wie Monica?
Barbara Pavan: Es handelt sich um eine Beziehung, die sich über die Zeit hinweg durch einen kontinuierlichen Austausch von Gedanken und Überlegungen entwickelt. In diesem Fall teile ich ihre Themen und ihre Ausdrucksformen voll und ganz. Monica ist eine authentische Künstlerin, die keine künstlichen Konstruktionen oder Rollenfiguren braucht. Sie legt wenig Wert auf die äußere Verpackung und konzentriert sich ganz auf den eigentlichen Gehalt ihrer Arbeit. Das macht die kuratorische Arbeit bisweilen komplexer, verleiht der Kunst aber zugleich ihre Echtheit.
Ihr habt in Italien und Österreich gearbeitet. Wie hat dieser kulturelle Wechsel deine künstlerische Arbeit beeinflusst?
Monica Giovinazzi: In unterschiedlichen Umfeldern zu leben, eröffnet einem viele neue Perspektiven und zwingt einen dazu, die Dinge aus ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten. In Wien habe ich fünfzehn Jahre lang große Räume für Kunst, Theater und Performance geleitet und intensiv an Bildungs- und Kunstprojekten mit Kindern gearbeitet. Dabei bin ich auf eine Institution gestoßen, die interdisziplinären Projekten gegenüber sehr offen und neugierig war.
Barbara Pavan: Rom steht für die Wurzeln, die Verbindung zur Geschichte und eine gewisse, bisweilen chaotische Komplexität. Wien hingegen verkörpert Ordnung, Methode und Klarheit in den kulturellen Strukturen. Der Reichtum von Monicas Kunst liegt gerade in der Verbindung dieses mediterranen Chaos mit der mitteleuropäischen Präzision.
Was sind die nächsten Schritte für das Projekt „Behind“?
Monica Giovinazzi / Barbara Pavan: Wir arbeiten derzeit an einer Retrospektive im Palazzo Caetani in Sermoneta, die von einer Publikation begleitet werden soll. Sie wird die Projekte der vergangenen Jahre nachzeichnen und dazu beitragen, die Entwicklung unserer Arbeit besser nachvollziehen zu können.
Darüber hinaus möchten wir Behind als Wanderausstellung weiterentwickeln: als eine dynamische, gewissermaßen „ziehharmonikaartige“ Struktur, die auf einem Platz aufgebaut werden, durch eine Performance zum Leben erweckt werden und anschließend an einen anderen Ort weiterziehen kann. Eine Kunst, die bewegt und verwandelt – und die immer weiter auf Reisen geht.
Monica Giovinazzi ist eine vielseitige Künstlerin, Regisseurin, Autorin und Performerin. Sie realisiert Installationen und Performances und gründete in Rom den gemeinnützigen Verein Raabe-Centro UNLA, der sich gegen den sekundären Analphabetismus einsetzt. Seit 2005 lebt und arbeitet sie auch in Wien, wo sie den Rotehaare Kulturverein gründete. In Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen, Schulen und Universitäten entwickelt sie Theaterproduktionen und Performances und engagiert sich für die Vermittlung italienischer Kultur. Für ihre kulturellen Verdienste wurde sie mit dem Titel Cavaliere della Repubblica ausgezeichnet.
DAUER DER AUSSTELLUNG
24.-25. Oktober 2026