{"id":27663,"date":"2026-10-22T16:44:39","date_gmt":"2026-10-22T14:44:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/?post_type=tribe_events&#038;p=27663"},"modified":"2026-10-22T16:44:39","modified_gmt":"2026-10-22T14:44:39","slug":"behind-monica-giovinazzi-2","status":"publish","type":"tribe_events","link":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/veranstaltung\/behind-monica-giovinazzi-2\/","title":{"rendered":"BEHIND | Monica Giovinazzi"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p><strong><em>BEHIND<\/em><\/strong><em> ist die neue Ausstellung von Monica Giovinazzi, einer in Rom geborenen und in Wien heimisch gewordenen Performerin und bildenden K\u00fcnstlerin. Die von Barbara Pavan kuratierte Ausstellung ist eine Erkundung von Materialit\u00e4t, Schwellen, Kindheit und kulturellen \u00dcberg\u00e4ngen.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Interview sprechen die K\u00fcnstlerin und die Kuratorin \u00fcber die Ausstellung.<\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> Ich bin Performerin und bildende K\u00fcnstlerin. Ich arbeite \u00fcberwiegend mit wiederverwendeten Materialien, weil es mich interessiert, bereits Vorhandenem neues Leben einzuhauchen. Ich glaube, dass sich auf diese Weise Werte und Ideen rund um das Thema Metamorphose besonders gut vermitteln lassen. Keiner von uns ist ein in sich geschlossener, fertiger K\u00f6rper. Wir bestehen vielmehr aus dem, was wir hinter uns lassen: Spuren, Blicke, vergangene Handlungen und dem, was noch kommen wird.<\/p>\n<p><strong>Wie ist das Projekt \u201eBehind\u201c entstanden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> <em>Behind<\/em> entstand aus Gedanken \u00fcber die \u201eKleinen\u201c, also \u00fcber Kinder. Ich bin \u00fcberzeugt, dass es auch zu den Aufgaben einer K\u00fcnstlerin oder eines K\u00fcnstlers geh\u00f6rt, die J\u00fcngsten zu unterst\u00fctzen und ihnen dabei zu helfen, kritisches Denken und eine eigene Sicht auf die Welt zu entwickeln. Urspr\u00fcnglich entstand das Projekt als Idee f\u00fcr ein Kinderbuch zum Thema Tod \u2013 verstanden nicht als Ende, sondern als Metamorphose, als Ver\u00e4nderung der Form und als \u00dcbergang.<\/p>\n<p><strong>Wie n\u00e4hert man sich der Ausstellung am besten, und wie wurde der Ausstellungsraum konzipiert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> Ich bin \u00fcberzeugt, dass die performative Handlung entscheidend ist, um dem Publikum einen Zugang zu erm\u00f6glichen. Ich mag es, wenn die Menschen die Werke ber\u00fchren und in die Hand nehmen k\u00f6nnen, statt Kunst als etwas Entferntes und Unnahbares zu erleben.<\/p>\n<p>Ich hoffe immer, dass auch Kinder in den Ausstellungsraum kommen. Sie haben einen neuen, unvoreingenommenen und unglaublich kreativen Blick. F\u00fcr mich als K\u00fcnstlerin ist das eine wertvolle R\u00fcckmeldung, die mir neue Impulse und Emotionen schenkt, mit denen ich weiterarbeiten kann.<\/p>\n<p><strong>Kommen wir zum Material: altes Papier und Kunststoff. Wie entsteht dieser Dialog zwischen Zerbrechlichkeit und Pop-\u00c4sthetik?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> Jedes Thema, mit dem wir uns besch\u00e4ftigen, verlangt nach einem bestimmten Material. Das Material ist f\u00fcr mich ein Gegen\u00fcber, das mir etwas zur\u00fcckgibt, das ich im Voraus noch nicht kenne. F\u00fcr <em>Behind<\/em> suchte ich nach einem Gef\u00fchl gro\u00dfer Zerbrechlichkeit. So kamen die alten Papiere ins Spiel \u2013 Materialien, die einem manchmal zwischen den Fingern zerbr\u00f6seln.<\/p>\n<p>Diesen stellte ich Kunststoffe gegen\u00fcber, die eine spielerische, poppige und transparente Dimension vermitteln. Die Spannung zwischen der Zerbrechlichkeit des Papiers und der Pr\u00e4senz des Kunststoffs wurde zum idealen Medium, um das Konzept der Schwelle und des \u00dcbergangs zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>In deinen Arbeiten verwendest du fast immer Abfall- und Restmaterialien. Wie w\u00e4hlst du diese aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> Es kann niemals irgendein Material sein. Obwohl ich \u00d6lfarbe und Malerei auf Holz liebe, brauchte ich in diesem Zusammenhang ein Material, das sich ver\u00e4ndern und bearbeiten l\u00e4sst und den Wandel auf den ersten Blick vermittelt. Betrachtet man die gro\u00dfen Formen, erkennt man sofort den aufblasbaren Schwimmreifen oder das zerrissene T-Shirt. Die Metamorphose sollte im Kunstwerk nicht einfach nur dargestellt werden: Das Werk selbst <em>ist<\/em> die Metamorphose.<\/p>\n<p>Anfangs entwickelte sich die Formensprache auf Papier, denn damit konnte ich mit Positiv- und Negativdrucken experimentieren. Als ich mir die Arbeiten dreidimensional vorstellte, kamen Kunststoff und zerrissene Textilien hinzu. Ich wollte Bilder und Vorstellungen aus der Kindheit aufgreifen: Schwimmreifen und aufblasbare Wasserspielzeuge. Nicht ohne Grund lasse ich auf der R\u00fcckseite der gr\u00f6\u00dferen Konstruktionen stets die urspr\u00fcnglichen Warnhinweise stehen: <em>\u201eAchtung: Von Kindern fernhalten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Kann man also sagen, dass die \u201eSchwelle\u201c genau jener Punkt ist, an dem K\u00f6rper, Material und Erinnerung beschlie\u00dfen, sich zu verwandeln?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> Die Schwelle ist immer da und wartet darauf, \u00fcberschritten zu werden. Manchmal vollzieht man diesen Schritt sogar unbewusst, und gerade das ist eine enorme Inspirationsquelle. Metamorphose findet st\u00e4ndig statt: In jedem Augenblick ver\u00e4ndern wir unsere Molek\u00fcle und tauschen sie mit den Menschen aus, die uns gegen\u00fcberstehen. Jenseits der Schwelle ist immer jemand anderes, und die Begegnung ver\u00e4ndert beide Seiten. Was wir hinterlassen, ist unsere bleibende Spur. Genau das m\u00f6chte ich den Kindern vermitteln: Wir m\u00fcssen keine Angst vor Ver\u00e4nderung haben.<\/p>\n<p><strong>Du kommst aus dem Theater und der Performance. Welchen Einfluss haben K\u00f6rper und Bewegung auf die Entstehung deiner bildnerischen Arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> Einen sehr gro\u00dfen. Ich male und arbeite fast immer auf dem Boden, nur selten an einem Tisch. Wenn ich beispielsweise mit Eisen arbeite, ist mein ganzer K\u00f6rper beteiligt: Ich biege und forme das Material mit den F\u00fc\u00dfen, den Knien und dem Gewicht meines K\u00f6rpers. Auch T\u00e4tigkeiten wie N\u00e4hen oder Zerrei\u00dfen verlangen mir immer wieder unterschiedliche Formen k\u00f6rperlichen Einsatzes ab.<\/p>\n<p><strong>Was verbindet eine Kuratorin mit der Arbeit einer K\u00fcnstlerin wie Monica?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Barbara Pavan:<\/strong> Es handelt sich um eine Beziehung, die sich \u00fcber die Zeit hinweg durch einen kontinuierlichen Austausch von Gedanken und \u00dcberlegungen entwickelt. In diesem Fall teile ich ihre Themen und ihre Ausdrucksformen voll und ganz. Monica ist eine authentische K\u00fcnstlerin, die keine k\u00fcnstlichen Konstruktionen oder Rollenfiguren braucht. Sie legt wenig Wert auf die \u00e4u\u00dfere Verpackung und konzentriert sich ganz auf den eigentlichen Gehalt ihrer Arbeit. Das macht die kuratorische Arbeit bisweilen komplexer, verleiht der Kunst aber zugleich ihre Echtheit.<\/p>\n<p><strong>Ihr habt in Italien und \u00d6sterreich gearbeitet. Wie hat dieser kulturelle Wechsel deine k\u00fcnstlerische Arbeit beeinflusst?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi:<\/strong> In unterschiedlichen Umfeldern zu leben, er\u00f6ffnet einem viele neue Perspektiven und zwingt einen dazu, die Dinge aus ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten. In Wien habe ich f\u00fcnfzehn Jahre lang gro\u00dfe R\u00e4ume f\u00fcr Kunst, Theater und Performance geleitet und intensiv an Bildungs- und Kunstprojekten mit Kindern gearbeitet. Dabei bin ich auf eine Institution gesto\u00dfen, die interdisziplin\u00e4ren Projekten gegen\u00fcber sehr offen und neugierig war.<\/p>\n<p><strong>Barbara Pavan:<\/strong> Rom steht f\u00fcr die Wurzeln, die Verbindung zur Geschichte und eine gewisse, bisweilen chaotische Komplexit\u00e4t. Wien hingegen verk\u00f6rpert Ordnung, Methode und Klarheit in den kulturellen Strukturen. Der Reichtum von Monicas Kunst liegt gerade in der Verbindung dieses mediterranen Chaos mit der mitteleurop\u00e4ischen Pr\u00e4zision.<\/p>\n<p><strong>Was sind die n\u00e4chsten Schritte f\u00fcr das Projekt \u201eBehind\u201c?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi \/ Barbara Pavan:<\/strong> Wir arbeiten derzeit an einer Retrospektive im Palazzo Caetani in Sermoneta, die von einer Publikation begleitet werden soll. Sie wird die Projekte der vergangenen Jahre nachzeichnen und dazu beitragen, die Entwicklung unserer Arbeit besser nachvollziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus m\u00f6chten wir <em>Behind<\/em> als Wanderausstellung weiterentwickeln: als eine dynamische, gewisserma\u00dfen \u201eziehharmonikaartige\u201c Struktur, die auf einem Platz aufgebaut werden, durch eine Performance zum Leben erweckt werden und anschlie\u00dfend an einen anderen Ort weiterziehen kann. Eine Kunst, die bewegt und verwandelt \u2013 und die immer weiter auf Reisen geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Monica Giovinazzi<\/strong> ist eine vielseitige K\u00fcnstlerin, Regisseurin, Autorin und Performerin. Sie realisiert Installationen und Performances und gr\u00fcndete in Rom den gemeinn\u00fctzigen Verein <em>Raabe-Centro UNLA<\/em>, der sich gegen den sekund\u00e4ren Analphabetismus einsetzt. Seit 2005 lebt und arbeitet sie auch in Wien, wo sie den <em>Rotehaare Kulturverein<\/em> gr\u00fcndete. In Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen, Schulen und Universit\u00e4ten entwickelt sie Theaterproduktionen und Performances und engagiert sich f\u00fcr die Vermittlung italienischer Kultur. F\u00fcr ihre kulturellen Verdienste wurde sie mit dem Titel <em>Cavaliere della Repubblica<\/em> ausgezeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>DAUER DER AUSSTELLUNG<\/p>\n<p>24.-25. Oktober 2026<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<\/p>\n<p>BEHIND ist die neue Ausstellung von Monica Giovinazzi, einer in Rom geborenen und in Wien heimisch gewordenen Performerin und bildenden K\u00fcnstlerin. Die von Barbara Pavan kuratierte Ausstellung ist eine Erkundung von Materialit\u00e4t, Schwellen, Kindheit und kulturellen \u00dcberg\u00e4ngen.<\/p>\n<p>In diesem Interview sprechen die K\u00fcnstlerin und die Kuratorin \u00fcber die Ausstellung.<\/p>\n<p>Monica Giovinazzi: Ich bin Performerin und bildende K\u00fcnstlerin. Ich arbeite \u00fcberwiegend mit wiederverwendeten Materialien, weil es mich interessiert, bereits Vorhandenem neues Leben einzuhauchen. Ich glaube, dass sich auf diese Weise Werte und Ideen [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27665,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"tags":[],"tribe_events_cat":[20],"class_list":["post-27663","tribe_events","type-tribe_events","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tribe_events_cat-mostre","cat_mostre"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events\/27663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/tribe_events"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27663"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events\/27663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27664,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events\/27663\/revisions\/27664"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27663"},{"taxonomy":"tribe_events_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events_cat?post=27663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}