{"id":11266,"date":"2022-01-04T14:26:08","date_gmt":"2022-01-04T13:26:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/?post_type=tribe_events&#038;p=11266"},"modified":"2022-01-19T14:12:25","modified_gmt":"2022-01-19T13:12:25","slug":"life-was-so-easy-musica-ed-esilio","status":"publish","type":"tribe_events","link":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/veranstaltung\/life-was-so-easy-musica-ed-esilio\/","title":{"rendered":"LIFE WAS SO EASY. MUSIK UND EXIL"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis im Deutschen Reich im Jahr 1933 begann die Verfolgung der politischen Gegner und der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. Zu den Opfern z\u00e4hlten auch zahlreiche Komponisten und Musiker, und nur wenige, die im Exil \u00fcberlebten, kehrten nach 1945 in ihre alte Heimat zur\u00fcck und waren dort willkommen. Viele werden bis heute ignoriert und vergessen, und so ist es uns ein gro\u00dfes Anliegen, ihre Musik wieder zu spielen und der \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren.\u201c Dies ist der Beweggrund des Ensembles TRIS (<strong>Holger Busch<\/strong> am Klavier, <strong>J\u00f6rg Wachsenegger<\/strong> an der Klarinette und <strong>Gerhard Waiz<\/strong> am Cello), ein Programm mit Werken vertriebener \u00f6sterreichischer Komponisten zu gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer der Verfolgung entgehen und sein Leben retten wollte, musste sich verstecken oder in die Emigration gehen. Nicht allen gelang es, im Exil einen Neubeginn zu schaffen bzw. an die vorigen Erfolge anzukn\u00fcpfen: Krenek, Vally Weigl, Stutschewsky oder auch Korngold sind positive Beispiele. F\u00fcr viele andere aber \u2013 Zemlinsky, Wellesz, Kurt Weigl \u2013 bedeutete die Emigration einen un\u00fcberwindbaren Bruch oder sogar das k\u00fcnstlerische Verstummen. Der Nazi-Terror f\u00fchrte so nicht nur zu unz\u00e4hligen individuellen Dramen, sondern zeitigte auch einen Kahlschlag im Musikleben in den betroffenen L\u00e4ndern \u2013 mit weit reichenden Folgen bis zur Gegenwart, denn nur wenige der vertriebenen Komponist*innen und Musiker*innen kehrten nach 1945 in ihre alte Heimat zur\u00fcck und waren dort willkommen. Viele werden bis heute str\u00e4flich ignoriert und vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zentrum des Programms steht ein neues Werk von <strong>Alexander Wagendristel<\/strong>, das TRIS 2019 urauff\u00fchren durfte. Wagendristel zitiert in diesem Trio Arnold Sch\u00f6nbergs Klavierkonzert nicht nur im Titel (\u201elife was so easy\u201c findet sich in Sch\u00f6nbergs Skizzen zu diesem Konzert), auch die Grundreihe dieses Werkes ist an einer Stelle gegen Ende des Trios deutlich h\u00f6rbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Programm<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alexander Wagendristel <\/strong>(* 1965) \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 life was so easy (2017)\u00a0f\u00fcr Klarinette, Cello und Klavier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Robert Starer <\/strong>(1924 &#8211; 2004)\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Trio (1964) f\u00fcr Klarinette, Cello und Klavier<br \/>\n<em>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Moderato, un poco rubato \u2013 Presto leggiero \u2013 Maestoso \u2013 Andante mosso \u2013 Tempo primo<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Joachim Stutschewsky <\/strong>(1891 \u2013 1982)\u00a0 \u00a0 \u00a0Kaddish f\u00fcr Violoncello und Klavier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Joachim Stutschewsky <\/strong>(1891 \u2013 1982)\u00a0 \u00a0 \u00a0Hassidic Fantasy f\u00fcr Klarinette, Cello und Klavier<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alexander Wagendristel<\/strong> wurde in Wien geboren und studierte Komposition bei Heinrich Gattermeyer und Erich Urbanner. Im Jahr 1988 folgte der Besuch der Darmst\u00e4dter Ferienkurse f\u00fcr neue Musik bei Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm. Er ist Mitbegr\u00fcnder etlicher Ensembles f\u00fcr Zeitgen\u00f6ssische Musik, so etwa der Improvisationsgruppe \u201eThings of NowNow\u201c oder des ensemble reconsil. Sein Trio f\u00fcr Klarinette, Cello und Klavier, das TRIS 2019 urauff\u00fchren durfte, ist eine Meditation \u00fcber Exil und Verlust. Es zitiert Arnold Sch\u00f6nbergs Klavierkonzert nicht nur im Titel (\u201elife was so easy\u201c findet sich in den Skizzen zu diesem Konzert), auch die Grundreihe dieses Werkes ist an einer Stelle gegen Ende des Trios deutlich h\u00f6rbar. Wichtig ist f\u00fcr Wagendristel aber auch der Bezug zur Gegenwart: Damals mussten Menschen wie Sch\u00f6nberg aus Europa emigrieren, um der Vernichtung zu entgehen. Heute fl\u00fcchten Menschen aus dem gleichen Grund nach Europa. Wie gehen wir damit um und wo stehen wir da heute? Wiederholt sich die Geschichte?<\/p>\n<p><strong>Robert Starer<\/strong> wurde 1924 in Wien geboren, wo er auch seine erste musikalische Ausbildung erhielt. 1938 musste er als Jude das Land verlassen, emigrierte nach Pal\u00e4stina und diente im 2. Weltkrieg in der Britischen Armee. Ab 1947 lebte er in New York, wo er an der Julliard School unterrichtete. Seine Kompositionsweise ist \u201emodern\u201c, jedoch nie hermetisch. \u201eWahrscheinlich habe ich mir aus allen Kulturen, die mich ber\u00fchrt haben, das herausgesucht, was zu mir passte\u201c, sagt er selbst. So verwendet Starer in seinem Trio, das 1964 in Rom entstand, zwar die Zw\u00f6lftontechnik, arbeitet aber mit klar erkennbaren Themen und Strukturen, gro\u00dfer Spielfreude und insbesondere in den schnellen Teilen des St\u00fccks auch mit rhythmischen und melodischen Elementen, die aus dem Jazz kommen.<\/p>\n<p><strong>Joachim (Yehoyachin) Stutschewsky<\/strong> war einer der bedeutendsten Cellisten aller Zeiten. Geboren wurde er in der Ukraine in eine Familie von Klezmorim, j\u00fcdischen Musikanten. Stutschewsky lernte zuerst Geige und ab elf Jahren Cello; sein au\u00dfergew\u00f6hnliches Talent wurde bald evident, solistische Auftritte und schlie\u00dflich das Studium bei Julius Klengel in Leipzig folgten. Den Ersten Weltkrieg verbrachte Stutschewsky in der neutralen Schweiz, wo er begann, sich neben seiner intensiven Konzert- und Unterrichtst\u00e4tigkeit f\u00fcr die Neue J\u00fcdische Schule zu interessieren, eine im Russland am Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Kompositions-Schule, die den musikalischen Traditionen des Judentums verpflichtet war. 1924 \u00fcbersiedelte er nach Wien und wurde Mitglied des Wiener Streichquartetts (sp\u00e4ter: Kolisch-Quartett), das sich insbesondere durch Urauff\u00fchrungen der Zweiten Wiener Schule einen legend\u00e4ren Namen machte. Stutschewsky konzertierte in ganz Europa, ver\u00f6ffentlichte eine hervorragende Cello-Schule und etliche Kompositionen und Bearbeitungen f\u00fcr sein Instrument. Au\u00dferdem avancierte er zu einem der wichtigsten Komponisten und Theoretiker der Neuen J\u00fcdischen Schule. Ihm ist es zu verdanken, dass Wien in den sp\u00e4ten 1920er-Jahren zum internationalen Zentrum der J\u00fcdischen Musik wurde. 1938 floh Stutschewsky kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen aus \u00d6sterreich in die Schweiz und schlie\u00dflich weiter nach Pal\u00e4stina. Dort war er ganz wesentlich am Aufbau des musikalischen und kulturellen Lebens beteiligt. Ab den 1950er-Jahren widmete er sich v.a. dem Komponieren und dem Sammeln von chassidischer und sephardischer Musik. In seinen Kompositionen bevorzugte er meist kleinere Formen und orientierte sich an dem Idiom j\u00fcdischer Dichtungen und Gebete, so auch in \u201eKaddish\u201c f\u00fcr Violoncello und Klavier. Das \u201eKaddish\u201c ist eines der wichtigsten Gebete im Judentum, ein Heilungsgebet, das auch zum Totengedenken gesprochen wird. Die \u201eHassidic Fantasy\u201c ist eines der wichtigsten Beispiele J\u00fcdischer Komposition in der Tradition der Neuen J\u00fcdischen Schule. Sie greift zahlreiche Melodien und Themen chassidischer Musik auf, die in dramaturgisch abgestimmter Folge aneinander gereiht sind.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis im Deutschen Reich im Jahr 1933 begann die Verfolgung der politischen Gegner und der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. Zu den Opfern z\u00e4hlten auch zahlreiche Komponisten und Musiker, und nur wenige, die im Exil \u00fcberlebten, kehrten nach 1945 in ihre alte Heimat zur\u00fcck und waren dort willkommen. Viele werden bis heute ignoriert und vergessen, und so ist es uns ein gro\u00dfes Anliegen, ihre Musik wieder zu spielen und der \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren.\u201c Dies ist der [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11271,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"tags":[],"tribe_events_cat":[3],"class_list":["post-11266","tribe_events","type-tribe_events","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tribe_events_cat-musik","cat_musik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events\/11266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/tribe_events"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11266"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events\/11266\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11271"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11266"},{"taxonomy":"tribe_events_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.austriacult.roma.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tribe_events_cat?post=11266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}