Geschichte des Hauses

Die Öffnung des Vatikanischen Geheimarchivs für wissenschaftliche Zwecke durch Papst Leo XIII. im Jahre 1881 gab noch im gleichen Jahr den Anlass zur Gründung eines Österreichischen Instituts für Historische Studien in Rom (Istituto Austriaco di Studii Storici). Ausschlaggebend war die Initiative des berühmten Mediävisten Theodor von Sickel, des nachmaligen ersten Direktors, der in einer Audienz im Juni 1881 die Zustimmung Kaiser Franz Josephs I. erwirkte. Ein kaiserliches Handschreiben von 1881 sowie ein ministerieller Erlass von 1883 können als Gründungsakte festgemacht werden. Erst 1890 konnte durch Anmietung einer in der Via della Croce 74 gelegenen Wohnung ein ständiger Sitz des Instituts eingerichtet werden. Seit 1895 besteht eine bis heute andauernde enge Verbindung mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Auswahl der Stipendiaten). Bis 1935 prägten die Historiker Theodor von Sickel (1883–1901), Ludwig von Pastor (1901–1928) und Ignaz Philipp Dengel (1928–1938) als Direktoren die Arbeit des Instituts. Die wissenschaftliche Tätigkeit wurde nur während des Ersten Weltkriegs unterbrochen.
Ein 1935 zwischen Österreich und Italien ausgehandeltes Kulturabkommen führte zur Umwandlung des Historischen Instituts in ein Kulturinstitut. Diese Umwandlung war bereits in den Römischen Protokollen vom 17. Februar 1934 im Gegenzug zur Gründung eines italienischen Kulturinstituts in Wien vorgesehen. Im August 1936 wurde mit dem Bau des Hauses in der viale Bruno Buozzi (damals via dei martiri fascisti) begonnen. Die Pläne stammen vom österreichischen Architekten Karl Holey. Fertiggestellt und bezogen wurde das Gebäude in den ersten beiden Monaten des Jahres 1938.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde das Institut dem Deutschen Historischen Institut eingegliedert. Die Bibliothek wurde mit dessen „Preussischer Bibliothek“ zusammengelegt, das Gebäude wurde zum Sitz des Deutschen Historischen Instituts bestimmt und nach längerem Umzug am 22. März 1939 als solcher auch offiziell eröffnet. Ignaz Philipp Dengel hingegen wurde noch im März 1938 nach Wien zitiert und gezwungen, seine Pensionierung einzureichen. Nach kurzem Arrest durch die Gestapo durfte er für drei Monate Wien nicht verlassen, erst danach konnte er in seine Heimatstadt Innsbruck zurückkehren. 1939 wurde seine Pension vorübergehend gänzlich, später bis auf drei Viertel gestrichen

Die Kriegsereignisse, insbesondere der italienische Waffenstillstand im September 1943 und ein „Führerbefehl“ vom Dezember desselben Jahres, erzwangen die Schließung des Instituts. Ab Jänner 1944 erfolgte die Räumung und – nach einer Zwischenstation im Salzmagazin von Bad Aussee – die Verbringung der Bibliothek in das fränkische Pommersfelden.

Im Juni 1945 wurde für das in der Zwischenzeit unter den Schutz und die Verwaltung der Schweizer Legation gestellte Haus von italienischer Seite ein Zwangsverwalter bestellt. Im Mai 1946 wurde dem Österreichischen Politischen Vertreter in Italien gestattet in das Gebäude einziehen. Dieses fungierte bis ins Jahr 1949 als Sitz zuerst der Politischen Vertretung Österreichs und dann der Gesandtschaft Österreichs in Italien.

1949 wurden die Tätigkeit des Kulturinstituts und 1950 auch die wissenschaftliche Arbeit im Rahmen einer Historischen Abteilung wieder aufgenommen. Die offizielle Eröffnungsfeier als Österreichisches Kulturinstitut in Rom (mit Historischer Sektion) fand am 11. April 1950 statt. Die Rückführung der ausgelagerten Bibliotheksbestände und die Sortierung nach deutscher und österreichischer Provenienz zog sich bis 1951 hin, die Sequestrierung wurde formal 1952 aufgehoben. Die Historische Sektion wurde mit Wirkung 1. Jänner 1982 in ein eigenes „Österreichisches Historisches Institut beim Österreichischen Kulturinstitut“ umgewandelt (unterstellt dem Wissenschaftsministerium, die wissenschaftliche Aufsicht obliegt der „Österreichischen Akademie der Wissenschaften“). Seit 1982 leben somit zwei Institute unter einem Dach. Das Österreichische Kulturinstitut in Rom wurde im Jahr 2001 in „Österreichisches Kulturforum Rom“ umbenannt.

Rainer Muraurer / Österreichisches Historisches Institut Rom
Wilhelm Pfeistlinger / Österreichisches Kulturforum Rom